Im 9. Jahr auf Weltreise (Juli 1999 bis Februar 2000)
     

Globus
Stand: 12.5.2001

Ursula und Richard Doring
fahren durch Chile

     


Reisebericht ohne Fotos (von Ursula)
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Putre, Nordchile, 18.8.1999

Liebe Freunde,

Nun sind wir schon vier Wochen in Chile und schon fast ein Jahr von zuhause weg.

Als wir an einem Freitagabend in Iquique landeten, durften wir noch eine Nacht in unserer schönen Kabine auf dem Schiff schlafen. Am nächsten Morgen lief alles wie am Schnürchen, und um 12 Uhr konnten wir ohne alle Kosten das Hafengelände verlassen (Foto).

Am Strand von Iquique versuchten wir, das Schiffsgepäck wieder im VW-Bus zu verstauen und für die Kleidersäcke, die uns amerikanische Freunde in letzter Minute für bedürftige Indios mitgegeben hatten, einen Platz zu finden. Als wir ratlos vor den leeren Koffern und den vollen Kleidersäcken standen und nicht wußten, wohin damit, kam uns eine chilenische Familie zuhilfe. Die Tochter quatschte uns an, und alle Familienmitglieder wollten gleichzeitig etwas erzählen oder wissen. Sie waren zu Besuch bei der Tante, und im Bus war der Koffer des Mädchens abhanden gekommen. Dankbar nahmen sie unsere Koffer an, und auch vom Inhalt der Kleidersäcke konnten sie so manches gebrauchen. Victor, der Ingenieur in Santiago ist, genierte sich nicht, die Anzüge auf der Straße anzuprobieren - sie standen ihm ausgezeichnet. Es war eine Mordsgaudi und jeder hatte seinen Spaß. Zum Dank luden sie uns zum Tee ins Haus der Tante ein. Unser Spanisch wurde an unserem ersten Tag in Chile von dieser lustigen, temperamentvollen Gesellschaft hart auf die Probe gestellt. Doch sie verstanden unser Kauderwelsch problemlos, außerdem konnten die Tochter und ein Cousin einiges übersetzen. So wurden wir schon am ersten Abend ins pralle Leben hineingeworfen und fühlten uns recht willkommen in Chile.

Nicht so gut meinten es die Inkagötter mit uns. Schon in der ersten Nacht nahmen sie Rache und bestraften unser Eindringen in ihr Terrain mit bösem Durchfall. Sollten die Garnelen aus Kolumbien, die der Koch zu Richards Geburtstag bereitete, böse Nachwirkungen zeigen? Wir zogen uns an den menschenleeren Strand Pabo Buque südlich von Iquique zurück und probierten alle Medikamente, die wir dabei hatten, durch. Antibiotika half, zumindest vorläufig.

Nach einer Woche fühlten wir uns wieder fit genug, unseren meist nebligen Platz zwischen eiskaltem, tobendem Meer und trostlosen Wüstenbergen zu verlassen (Foto).

Bei ausnahmsweise herrlichem Sonnenschein fuhren wir auf einer wilden Küstenstraße Richtung Süden - rechts die zerklüftete Felsenküste mit schneeweißen Guanofelsen, an denen die Gischt hochspritzte, links die steilaufragende Küstenkordillere. Durch das trockenste Gebiet der Erde, die Pampa, wo auf hunderte von Kilometern kein Grashalm wächst, ging es steil bergan ins Landesinnere. Die Wüste ist aber keineswegs jungfräulich, überall führten Spuren hinein, denn sie wurde durchwühlt auf der Suche nach wertvollen Mineralien. Viele Abzweigungen zu verlassenen Minen säumten unseren Weg. Seit es Kunstdünger gibt, lohnt der Abbau von Salpeter nicht mehr. Andere Mineralien wie Kupfer, Mangan, Molybdän, Lithium, Zink und Schwefel scheinen weiterhin einträglich zu sein, und so passierten wir auch mehrere staubige, meist ungepflegte Minendörfer.

Für unseren ersten Übernachtungsplatz hatten wir eine Stelle am Rio Loa ausgesucht. Wie erstaunt waren wir, plötzlich in eine grüne Oase einzutauchen mit einem Bach, der tatsächlich Wasser führte. Leider hatte das Wasser nur 10 Grad, so daß an Baden nicht zu denken war. In der nächsten Stadt, Calama, schloß uns der freundliche Campingplatzbesitzer eine Cabana auf, so dass wir endlich einmal wieder gepflegt duschen konnten.

Weiter ging die Fahrt zum viel besuchten Oasendorf San Pedro de Atacama. Die Landschaft wurde interessanter, da schneebedeckte Vulkane und Andenriesen den Horizont zu unsrer Linken säumten. Im Valle de la Luna, dem Mondtal, erlebten wir ein fantastisches Naturschauspiel. Kurz nach Sonnenuntergang ging hinter der rotleuchtenden Andenkette ein riesiger Vollmond auf (Fotos). Nachts knackte und knisterte es unheimlich, wie berstendes Eis. Das Salzgestein, aus dem das Tal besteht, zog sich in der Kälte zusammen. Wo man hinschaute, glitzerten und funkelten die Salzkristalle im Mondschein. Bei Tag enthüllte das Mondtal weitere Reize. Wir entdeckten einen Slot Canyon, fast so eng wie die in Utah, eine Höhle und einen Hauptcanyon mit fantastischen Salzformationen, die manchmal an verschneite Tannenbäumchen erinnerten.

In verschiedenen kleinen Oasendörfern machten wir einen Stopp, besichtigten die einfachen, weißgetünchten Adobekirchlein, deren Türen und Deckenbalken oft aus löchrigem Kaktusholz gefertigt waren (Fotos). Es war immer recht leicht, einen schönen Übernachtungsplatz zu finden, mal ein Aussichtspunkt, mal ein Badeplatz. Die Leute belästigten uns nie, sie zogen mit ihren Schafherden oder auf Eseln reitend an uns vorbei und erwiderten freundlich unseren Gruß.

Der große Salzsee, Salar de Atacama, entsprach nicht ganz meinen Vorstellungen. Das Salz war schmutzigbeige und sah aus wie ein umgepflügtes Feld. Auf einer Art Piste konnten wir leicht darüber fahren bis zu offenen Wasserstellen, an denen sich Flamingos tummelten. Drei verschiedene Spezies konnten wir beobachten, was auf der Welt ziemlich einmalig sein soll.

In Peine, dem abgelegensten Dorf, ging die Führung des Schalthebels kaputt. Jetzt war es schwer, einen Gang einzulegen, meistens ging nur der Rückwärtsgang rein. An einem Abhang gelang es Richard, den 3. Gang reinzuschieben und in dem zu starten. 60 km fuhren wir problemlos, bis Richard, mitten auf der Salzpiste, ein menschliches Bedürfnis überkam. Wir hätten zwar anhalten können, aber auf der Ebene nie mehr im 3. Gang starten. So war fliegender Fahrerwechsel angesagt, ein Glück, daß wir das in unserer Jugend schon geübt hatten. Irgendwann zwang uns dann doch eine Baustelle zum Halten. So mußten wir die restlichen 40 km im 2. Gang zurücklegen. In San Pedro de Atacama auf dem Campingplatz gelang es Richard mit Hilfe einiger freundlicher Busfahrer und mit zwei Hartgummiringen, die Gangschaltung provisorisch zu reparieren.

Bei den Geoglyphen von Pintados schlugen wir unser Nachtlager auf und philosophierten bei wechselnden Lichtverhältnissen darüber, was die Menschen in der Vorinkazeit mit diesen monumentalen Bildern, in den Berghang gekratzt, wohl beabsichtigt hatten. Ich neigte zu der Ansicht, daß sich Menschen aller Zeiten gerne irgendwie verewigten. Schnitzten unsere Väter nicht auch ein Herz in einen Baum und sahen es wachsen? Und die Jugend heute sprüht ihre Namen mit Farbe auf Hauswände. Richard sieht in den riesigen Figuren, die Menschen, Tiere oder geometrische Symbole darstellen, eher eine ABM Maßnahme, die sich ein kluger Führer in Zeiten der Arbeitslosigkeit ausdachte. Verwunderlich ist, wie wenig bekannt diese nordchilenischen Geoglyphen sind, entstanden sie doch zur selben Zeit und stehen in einer Reihe mit denen von Nacza in Peru. Nun ja, sie wurden von keinem Däniken entdeckt.

Der immer wieder auftretende Durchfall Richards trieb uns nochmals nach Iquique, wo uns Laboruntersuchungen, mit negativem Ergebnis, einige Tage festhielten. Hier konnte auch die Gangschaltung mit Originalteilen aus einem Schrott-VW-Bus fachmännisch repariert werden. Leider zog sich Richard beim Helfen einen Hexenschuß zu, den wir im verwahrlosten Bergort Mamina mit heißen Heilquellen zu kurieren versuchten. Das Hotel La Coruna hat einen spanischen Besitzer, der das Hotel mit ungewöhnlich viel Geschmack gebaut hat. Hier dürfen wir campieren und den schönen Pool mitbenutzen.

In einem anderen Bergort, Tarapaca, fand gerade eine große Fiesta statt. Tausende von Pilgern zogen hier hoch, zu Fuß, mit Autos, Bussen und Lastwagen, um den heiligen Lorenzo zu verehren. Geduldig warteten sie in langer Schlange, um den Fuß der Heiligenfigur zu berühren oder mit Kleidungsstücken, Kerzen etc. darüberzustreichen. Andere Pilgergruppen, zum Großteil Indios, tanzten in Fantasiekostümen zu Pauken- und Trompetenmusik auf der Plaza (Fotos). Immer mehr Gruppen traten gleichzeitig auf, immer mehr Pilger drängten sich auf der Plaza, bis das Fest um Mitternacht mit einem Feuerwerk seinen Höhepunkt erreichte. Am nächsten Morgen zelebrierte der Bischof persönlich eine Zweistundenmesse, der hl. Lorenzo wurde frisch eingekleidet und in einer Prozession in die frische Luft geführt. Das Pilgerlager, wo auch wir campierten, sah am Ende aus wie eine Müllkippe, aber ein Aufräumtrupp war für zwei weitere Tage bestellt.

Durch öde Wüste fuhren wir auf der Panamericana nach Arica, einer recht modern anmutenden Stadt am Meer. Wieder stand eine Klinik auf dem Programm, ein Gastroenterologe soll sich um Richard kümmern. Er verschrieb Tabletten und eine noch grausamere Diät, und das, wo wir schon beide 6 Kilo abgenommen hatten. Die Ergebnisse der Laboruntersuchung können wir in 4 Tagen erfahren. Diesmal wollten wir das Ergebnis nicht in der Stadt abwarten, sondern gleich Richtung Bolivien aufbrechen.

Auf der Carretera Internacional ging es zunächst durch ein fruchtbares Tal, das bis an den Rand der absolut kahlen Wüstenberge bebaut ist. Durch diese öde Bergwelt mußten wir uns hinaufquälen, bis in etwa 3000 m Höhe plötzlich Vegetation begann. Welche Freude für die Augen, gelb- und rotblühende Büsche am Straßenrand, eine rosa Steinbrechart, die sich die Hänge hinaufzieht, wilde Guanacos, die hier friedlich grasen. Beim Dorf Socoroma auf 3100 m Höhe übernachteten wir, um uns langsam an das Höhenklima zu gewöhnen. Die Indios, die hier Mais und Oregano anbauen, sind freundlich und aufgeschlossen. Sogar fotografieren durfte ich eine Frau, die uns am Auto besuchte. Da wir ihr im Spanisch weit unterlegen sind, sie uns sogar verbessern konnte, fühlte sie sich nicht im geringsten unterlegen (Foto).

Jetzt sind wir seit vier Tagen in Putre auf 3620 Metern Höhe. Auch hier sind die Menschen ganz nett. Eine Indiofrau, von der ich mir das Spinnen zeigen ließ, fragte mich: "Gibt es in dem Land, aus dem du kommst, auch Alpacas? Nein? Gibt es wenigstens Vicunas? Was, nicht einmal Lamas! Was für ein armes Land!"

Richard fuhr mit dem Bus nach Arica und kam gerade wieder zurück mit dem Ergebnis, daß er kerngesund ist, aber weiterhin strenge Diät ohne Obst und Gemüse essen soll.

Von Putre aus fuhren wir durch eindrucksvolle Landschaften immer bergauf. Bis ca. 4000 m Höhe blühten noch viele Pflanzen in leuchtenden Farben, weiter oben gab es nur noch grünes Gestrüpp, das die Vicunas, Llamas und Alpacas sehr liebten. Immer mehr Gletscherberge wurden sichtbar, und neben der Straße glitzerten Eishänge in der Sonne.

In Parinacota, einem malerischen Indio-Dorf auf 4450 m Höhe, verbrachten wir die letzte Nacht in Chile. Noch um 18 Uhr konnte ich draußen in der Sonne sitzen und Gemüse putzen. Um 19 Uhr, als ich es zum Kochen hereinholte, war schon alles gefroren. Es wurde eine bitterkalte Nacht. Morgens hatten wir wunderschöne Eisblumen an den Fenstern, und das vorsorglich schon abends in den Teekessel gefüllte Wasser konnte ich leicht über der Gasflamme auftauen. Mit der Höhe hatten wir keine richtigen Probleme. Man kann nicht schnell gehen und muß immer wieder anhalten, nachts wacht man öfter mal auf, um schneller zu atmen, das Herz klopft etwas schneller, aber wir haben uns ja langsam an die Höhe herangetastet.

Der nächste Tag wurde ein einziger landschaftlicher Höhepunkt (Fotos). Die Zwillingsvulkane Los Payachates, die aus Pomerape und Parinacota bestehen, kamen immer näher und waren bis weit hinunter mit Schnee bedeckt. Ein anderer Vulkan stieß von Zeit zu Zeit Dampfwolken aus. Der Lago Chungara lag smaragdgün in dieser urzeitlichen Landschaft auf über 4600 Metern Höhe. Enten, Schneegänse und Blesshühner tummelten sich auf dem See, Alpacas weideten an seinen Ufern, über allem ein stahlblauer Himmel und blendender Sonnenschein. Fotomotive en masse.

Und plötzlich waren wir an der Grenze. Die Grenzabfertigung auf der chilenischen Seite verlief flott und unproblematisch. Nach sieben Kilometer Fahrt durch Niemandsland erreichten wir die bolivianische Grenze.

(Ursula)

Unsere Reiseerlebnisse in Bolivien und Peru vom 21.8. bis 22.11.1999 findet ihr hier: Die Anden


Die zweite Reise durch Chile (22.11.1999 - 2.1.2000)

Wie schon bei den Bolivianern verläuft die Grenzabfertigung auch bei den Chilenen problemlos. Die Beamten sind freundlich und korrekt. Unser Auto wird nicht einmal inspiziert, da wir glaubhaft versichern, keine verbotenen Güter einzuführen. Tatsächlich haben wir Obst und Gemüse so eingeteilt, dass es bis an diesem Morgen verzehrt war. In Putre können wir ja wieder frisches kaufen.

In Putre und an der Straße nach Arica besuchen wir alte Bekannte. Stolz führt uns Andrea ihren neuen Solarkocher vor, den sie als Demonstrationsobjekt der Universität Oldenburg für ihr kleines Restaurant mitten in der Wüste benutzen kann.

In Arica lassen wir den Gastank auffüllen (bei Lipigas) und unseren Amarillo gründlich waschen. Wir übernachten wieder nördlich der Stadt am Meer.

Wie ausgemacht führen wir Riedels in Iquique unseren VW-Bus vor. Er gefällt ihnen, ein Vorvertrag wird abgeschlossen und eine Anzahlung geleistet. Damit haben wir gerechnet. Nicht erwartet haben wir, wie ein Familienmitglied aufgenommen zu werden. Wir können in ihrer schönen Wohnung direkt am Meer wohnen, waschen und nähen und werden verwöhnt wie in einem tollen Hotel (Foto).

Die Wasserfälle von Iguassu (Brasilien und Argentinien)

Von Iquique aus erfüllen wir uns einen weiteren Traum: die Wasserfälle von Iguassu im Dreiländereck Brasilien, Argentinien und Paraguay. Eine zehntägige Autofahrt auf attraktionsarmer Strecke wollten wir uns ersparen. Als wir eine Werbung in einem Reisebüro-Schaufenster erblicken, kaufen wir kurzentschlossen ein Flugticket und fliegen mit TAM (Transporte Aereo Mercosur) nach Ciudad del Este in Paraguay. Mit diesem Flug über die Anden haben wir nicht nur einen schnellen Transport, sondern auch einen herrlichen Aussichtsflug erwischt. Wir fliegen in geringer Höhe über die berühmte Laguna Verde und andere bunte Seen, können dem Lilancabur-Vulkan in seinen Schlund schauen und andere aktive Vulkane von oben betrachten.

Eine Nacht verbringen wir im Austria-Hotel in Ciudad del Este in Paraguay und zwei in einer Pension in Foz do Iguazu in Brasilien. Einen Tag lang lassen wir die breitesten Wasserfälle der Erde von der brasilianischen Seite auf uns wirken und bestaunen die Wucht der stürzenden Wassermassen (Fotos). Zum Tagesausklang besuchen wir einen sehr schön angelegten Vogelpark. Ein Papagei fliegt Richard auf die Schulter und knabbert an seinem Finger (Foto). Am nächsten Tag erwandern wir auf Metallstegen die einzelnen Wasserfälle auf der argentinischen Seite, dünne und dicke, Rinnsale und Schleierfälle, ganz gewaltige und hohe. Wir sehen mehr Wasserfälle, als wir uns in unserem gewiss wasserfallreichen Leben erfahren oder mühsam erwandert haben. Auch zwei kleine Bootstouren führen uns noch näher an einige Fälle heran. Unzählige Regenbogen im Sprühnebel bringen Farbe ins gleißende Weiß. Uns bisher unbekannte Tiere bereichern das Erlebnis: Coatimundis, eine Art Waschbären, betteln in Brasilien um Futter, und ein Armadillo, ein Gürteltier, schnüffelt auf der argentinischen Seite mit seinem langen Rüssel unterm Laub nach Leckerbissen.

Zurück in Iquique lassen wir uns nochmals von Christa verwöhnen, bevor wir, gut mit Reiseproviant versorgt, nach Santiago aufbrechen. Rein zufällig treffen wir auf der Straße die schweizer Wohnmobilfahrer Marc und Sandra, die sich von unserer Internet-Seite und per E-Mail Tips für ihre Verschiffung von USA nach Chile geholt haben. Da werden am Straßenrand mitten in der Wüste die Stühle ausgepackt und es gibt so viel zu erzählen, dass sich Richard und Sandra einen Sonnenbrand holen.

Drei lange Tage fahren wir auf der Panamericana, teils entlang der rauen Küste, teils im langweiligeren, wüstenhaften Inland. Zwei Nächte verbringen wir an netten, aber recht vermüllten Stränden und eine Nacht an einem romantischen Plätzchen unter Weiden neben einer glucksenden Quelle im Valle del Encanto, einem historischen Park.

Jetzt sind wir in Santiago bei australischen Servas-Gastgebern und haben das Glück, hier auf eine Frau zu treffen, die sich nicht nur bestens im Lande auskennt, sondern sogar einen kleinen Chile-Reiseführer geschrieben hat. Ihre Tips und Vorschläge zum Süden Chiles können wir hervorragend in unsere eigenen Pläne einbauen.  

Am 10. Dezember holen wir unseren Amarillo in der Werkstatt in Santiago ab und blättern über 1000 DM in die Hand von Senor Carlos Plaut. Im Differenzial sind der Triebling und das Tellerrad erneuert, das störende Geräusch ist beseitigt. Unsere Fahrt in den Süden kann beginnen.

Schon am ersten Tag stellen wir fest, dass wir in einem Land der Zäune und Tore gelandet sind. Die schönsten Landschaften sehen wir nur durch Stacheldraht, 1,50m hoch, in fünf Reihen übereinander. Wiesen, Felder, Wälder, Brachland, Flußufer, Wasserfälle, Geröllfelder - alles ist eingezäunt. Wie schwer es da ist, einen Übernachtungsplatz zu finden, könnt ihr euch vorstellen. Dass es uns doch meistens gelungen ist, haben wir unserem Instinkt und jahrelanger Erfahrung zu verdanken.

Nach zwei heißen Fahrttagen tauchen wir in die Traumlandschaft des chilenischen Seengebiets ein. Grüne Felder, blühende Wiesen, rote Fuchsienhaine, dunkle Wälder mit hohen Bäumen, exotische Bambussträucher, rauschende klare Bergbäche, einfache Bauernhäuser, Pferde und Ochsenkarren (Foto), Gauchos, schneebedeckte Vulkane, schwarze Lavafelder und kühle Seen. Unser erster Nationalpark, der Parque National Conguillio, stellt sich als besonderer Leckerbissen heraus. Der Vulkan Llaima, 3125m hoch, enthüllt sich gerade bei unserer Einfahrt (Foto). Durch die Araucaria Bäume hindurch, urzeitliche Gewächse, sieht er einfach zauberhaft aus. Hier sind wir fast alleine, denn die chilenischen Ferien haben noch nicht begonnen. So genießen wir die einsamen, oft kaum erkennbaren Wanderpfade und campieren auf einem Platz direkt am See, wo sich tatsächlich ein Fuchs und ein Hase gute Nacht sagen. Ein Reh stellt sich erst am Morgen ein. Da wir kein Zelt aufschlagen, müssen wir nicht auf den 48 DM teuren Campingplatz. Hier entfachen wir zum ersten mal ein Lagerfeuer in Chile und verbringen zwei romantische Abende.

Bei bedecktem Wetter nähern wir uns dem Vulkan Villarica und erhaschen nach einer Kurve den ersten Blick auf seinen Gipfel. Er sieht aus, als würde er auf den Wolken schweben. Später besichtigen wir eine Vulkanhöhle, ein langer, poröser Schlauch, den ein unterirdischer Lavafluß hinterlassen hat.

Unseren Hochzeitstag feiern wir mit Sekt und geräucherter Forelle am Strand des Lago Villarica bei Pucon. Den Abend wollen wir an einem Wasserfall verbringen. Da es viele Wasserfälle in der Gegend gibt, sind die Chancen nicht schlecht, einen Platz zu finden. Doch alle sind auf Privatgelände. In unserer Not fragen wir an Bauernhöfen, und schon am zweiten werden wir freundlich aufgenommen. Der deutschstämmige Besitzer, der aber kein Wort deutsch spricht, betreibt auch ein kleines Restaurant, in dem wir uns zum Abschluß des Festtages ein Käsefondue gönnen. Auf seiner Wiese können wir übernachten, mit Blick auf den Villarica Vulkan frühstücken (Foto) und im Haus duschen.

In diesem Gebiet gibt es auch viele heiße Quellen. Manche sind mondän und sauteuer, aber man kann auch rustikalere finden. Wir erquicken uns in den Naturbecken der Termas Los Pozones, zwischendurch springe ich zur Abkühlung in den eiskalten Fluß.

Allmählich wird es Zeit, an Weihnachten zu denken, und wir fahren Richtung Pualafquen, wo sich Hans, ein ehemaliger Globetrotter, niedergelassen hat. Doch die Zufahrtspiste zu seinem Haus ist so steil und schlecht, dass wir sie aus eigener Kraft nicht zu meistern glauben. Am Heiligabend, nachdem wir frische Erdbeeren mit Schlagsahne gefrühstückt haben, ich im kühlen Calafquen See geschwommen bin und 15 Weihnachtsgeschenkchen verpackt habe, wagen wir es dann doch - und schaffen es. Dass wir auf der rauen Piste die Ölwanne beschädigt haben, merken wir zum Glück erst am nächsten Morgen, als wir über einer schwarzen Lache aufwachen.

So können wir den Heiligabend unbeschwert mit einer spirituell angehauchten Zeremonie feiern. Leider verstehe ich nicht allzuviel von den feierlichen Reden, die jedes Familienmitglied hält, da alles auf spanisch abläuft. Nur Hans und seine deutsche Exfrau sprechen deutsch, ihre drei Töchter nicht ein Wort.

Hier erleben wir, wie der Traum eines Globetrotters, der glaubte, das Paradies gefunden zu haben, enden kann. Er sehnte sich nach einem stressfreien Leben in einer intakten Natur, gutem Auskommen mit den Mapuche Indianern, seinen Nachbarn, Biohausbau mit optimaler Ökobilanz, einer Gemeinschaft von Chilenen, Deutschen und Indianern, die in Selbstverwaltung eine alternative Kultur gestalten. Er sah sich als den Schöpfer einer kleinen idealen Welt. Mich faszinierten seine Ideen total. Und was erleben wir jetzt? Wir finden einen absolut gestressten Menschen vor, von den Indianern enttäuscht, der eine 100 Stunden-Woche im Büro verbringt und seine riesigen Ländereien zu einem Schleuderpreis verkauft, um überleben zu können. Zwischendurch muss er noch seinen Dieselgenerator reparieren oder seine Straße in befahrbaren Zustand versetzen. Trotz einer schönen, starken Frau an seiner Seite, die ihn nach Kräften unterstützt, wirkt er unglücklich, zumindest in der momentanen Phase.
 

 Pualafquen hat sich weiterentwickelt

 
12.5.2001 Daher ist Hans nun nicht mehr so gluecklich ueber unseren "kritischen" Text zu jener Phase seines Lebens und hat einen Kommentar geschrieben, der seiner heutigen Lebenssituation und der Realitaet in Pualafquen besser entspricht.
Gern tun wir ihm den Gefallen, auf seinen Brief vom 12.5.2001 zu verlinken,
denn -- das Leben geht weiter ...
Zum Brief von Hans
 

 ... und es ist uns laengst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt wie es war.  (nach Hannes Wader)

 

Richard schafft es noch im alten Jahr, das Ölleck mit einem Zweikomponentenkleber zu reparieren, und wir lassen uns den steilen Weg aus dem verwunschenen Tal herausschleppen.

An Silvester mieten wir uns ein Cabana am Lago Ranco und erleben unerwartet ein wunderschönes Feuerwerk über dem See, bei klarem Himmel und lauer Luft. Wir freuen uns über unser gutes bisheriges Leben, und als wir beide gleichzeitig eine Sternschnuppe sehen, gehen wir glücklich zum Haus zurück mit der Gewissheit, in ein für uns gutes Millenium hineinzuschlafen.

Nach einem würdigen Neujahrsfrühstück im Cabana am Branco-See fahren wir nach Osorno. Diese im 19. Jahrhundert von Deutschen besiedelte Stadt wirkt heute, von einigen historischen Gebäuden abgesehen, trostlos. Nicht einmal ein Restaurant hat geöffnet.

Da hat uns die Natur mehr zu bieten. Gleich sechs Vulkane zählen wir allein auf der kurzen Strecke nach Entre Lagos. Und auf den Vulkan Casablanca können wir sogar hinauffahren und ihm in den allerdings schon erloschenen Schlund schauen. Der Club Andino, der Andenverein Chiles, fest in deutschstämmiger Hand, hat eine Privatstraße bis zum Kraterrand gebaut.

In dieser abgelegenen Gegend treffen wir zwei Globedriver-Wohnmobile, einen deutschen, und später einen französischen Apotheker. Da gibt es viel zu erzählen, und wie üblich werden Tipps ausgetauscht.

Flexibel, wie wir sind, ändern wir unseren Routenplan und fahren auf der argentinischen Seite in den Süden Chiles.

Unsere Reiseerlebnisse in Argentinien vom 2. bis 7.1.2000 findet ihr hier: Argentinien1


Zum dritten Mal in Chile (7.1. - 2.2.2000)

Ein Höhepunkt unserer Reise liegt vor uns, eine mehrtägige Schifffahrt zum kalbenden San Rafael Gletscher. Schon in Santiago haben wir die nicht billige Passage gebucht und das großzügige Weihnachtsgeschenk meines Vaters für diese außergewöhnliche Ausgabe genutzt. In Puerto Chacabuco soll die Reise losgehen, und dort soll sie auch wieder enden. Bei der Polizei wird unser Amarillo sicher untergestellt, im fünf Stunden verspäteten Schiff beziehen wir unsere Kabine und zehn Minuten vor dem Auslaufen teilt uns der Kapitän höchstpersönlich mit, dass auf der Rückfahrt Chacabuco nicht mehr angelaufen wird. Entweder müssen wir bis Puerto Montt mitfahren oder augenblicklich das Schiff verlassen. Eine Katastrophe!? Nein, so schnell lassen wir uns nicht um unseren Traum bringen. Richard verhandelt mit dem Agenten im Hafen, ich bleibe mit unserem Gepäck an Bord und hindere den verzweifelten Kapitän am Auslaufen. Nach verschiedenen unzumutbaren Lösungsvorschlägen können wir die freie Fahrt nach Puerto Montt (anderthalb Tage länger), eine Hotelübernachtung und einen Rückflug nach Chacabuco aushandeln.

Da für die Chilenen bei einer vergnüglichen Schiffsreise das Tanzen nicht fehlen darf, die Musik aber nicht vor Mitternacht beginnt, ist an ruhigen Schlaf nicht zu denken. Trotzdem stehe ich am Morgen rechtzeitig auf, um die enge Einfahrt in die Lagune an Deck mitzuerleben. Noch kein Mensch ist hier oben und die Begegnung mit meinem ersten Eisberg ist so aufregend, dass ich gleich mehrere Fotos schieße. Unser großes Schiff tastet sich recht nah an den Gletscher heran. Mit den kleinen Rettungsbooten fahren wir dann durch die Eisschollen, ganz dicht an den Eisbergen vorbei bis direkt an den San Rafael Gletscher (Fotos). Dieses Krachen und Knirschen an der Bootswand, die Erschütterung bei einem Zusammenstoß mit einer Eisscholle - das ist ein Gefühl, das durch den ganzen Körper kribbelt! Gläser werden ausgeteilt, jeder Passagier versucht, ein möglichst mundgerechtes Stück Eis zu fischen, und mit "Whisky on the Rocks" wird das großartige Erlebnis gefeiert. Immer wieder brechen Stücke vom Gletscher ab und klatschen mit Getöse ins Meer. Doch plötzlich erschüttert ein lautes Donnern die Luft und ein großer Eisberg kalbt direkt vor uns ins Wasser. Schnell ergreift unser Bootsfahrer die Flucht, um uns der Flutwelle nicht voll auszusetzen. Fast noch aufregender wird es, als sich die Spitze eines Eisbergs, den ich gerade stehend im Boot fotografiere, auf mich zu bewegt. Im Zeitlupentempo rotiert er, verliert große Eisbrocken, taucht fast ganz unter und schiebt eine neue Spitze nach oben.

Es ereignet sich noch allerhand auf dem großen Schiff, das ich vielleicht einmal ergänze, wenn ich mehr Zeit habe. Wir finden jedenfalls einige Tage später unseren Amarillo wohlbehalten in Chacabuco.

Und weiter geht die Fahrt auf der berühmten "Carretera Austral", einer Schotterstraße, die enger und enger wird und bald so aussieht wie zuhause ein Feldweg. Durch immer neue Bergmassive, über grüne Matten mit wiederkäuenden Kühen, durch abgebrannte Wälder und dichten Dschungel, vorbei an unzähligen Wasserfällen, Fjorden (Foto) und kleinen Seen führt sie uns in den Parque National Queulat mit seinem beeindruckenden "hängenden Gletscher" Ventisquero Colgante. Wir bewundern ihn vom Aussichtspunkt aus und wollen ihn erwandern. Doch wir erwischen einen falschen Pfad, der durch tiefe Wildnis, durch Morast und kleine Bäche, über morsche Brücken und dichtes Unterholz steil bergauf führt. Der Abstieg wird eine mittlere Katastrophe für meine Kniee, und der Weg zum Gletscher kommt erst am nächsten Tag dran.

Wir finden einen wunderschönen Übernachtungsplatz mit Blick auf den Gletscher, und da wir im Auto schlafen, müssen wir nicht einmal Campinggebühr bezahlen. Hier feiern wir unter klarem Sternenhimmel mit einer Flasche Champagner Siegberts 50sten.

An einem anderen Platz an einem reißenden Fluss begrüßt uns abends ein Bauer, der auf der gegenüberliegenden Seite wohnt. Am nächsten Morgen Punkt neun bringt er uns mit seinem Ruderboot Milch, Brot und Käse zum Frühstück. Wir werden sehr an den Nagin Lake in Kaschmir erinnert.

In Chaiten nehmen wir die Fähre, einen Seelenverkäufer mit kostenloser Salzwasserautowaschanlage, die uns nach Quellon auf Chiloe bringt. Viele, die wir trafen, schwärmten von dieser Insel, vielleicht bin ich deshalb so enttäuscht. Dichtbevölkert, schmutzig, heruntergekommen erleben wir sie und mit einheimischen Touristen überschwemmt. Bisher hatten wir großes Glück, denn wir mußten Campingplätze, Badestrände, Parks nur mit wenigen teilen. Die Chilenen, die normalerweise ab Ende Dezember die Touristengebiete bevölkern, blieben wegen der Präsidentenwahl am 16. Januar aus.

In Punta Lapa erreichen wir den südlichsten Punkt des chilenischen Teils der Panamericana, der längsten Straße der Welt, unverständlicherweise auch Traumstraße genannt. Obwohl wir uns nicht sklavisch an sie klammerten, konnten wir sie doch oft nicht vermeiden und sind Tausende von Kilometern in Südamerika auf ihr gefahren. Die Fahrt durch Nordamerika bis Alaska liegt noch vor uns. Hier, am KM 0, vor der großen Plakatwand, fotografieren wir ausführlich, und 300 Meter weiter endet die Straße tatsächlich abrupt an einem Absturz ins Meer, in dem sich Delphine tummeln.

Das Gute an Chiloe ist der Lachs, der hier gezüchtet und billig angeboten wird. Kein Tag vergeht, an dem wir uns nicht gekocht oder geräuchert an ihm laben. Die bekannten Holzkirchlein, einstmals von den Jesuiten gebaut, schmerzen mit ihrer buntgestrichenen Wellblechverkleidung jedes kunstgewohnte Auge. Nur die Kirche von Castro bildet durch den geschmackvoll renovierten Innenraum eine rühmliche Ausnahme. Die Stelzenhäuser im Meeresarm von Castro sind etwas besonderes für Chile und sehen bei Flut auch ganz nett aus.

Ganz im Nordwesten der Insel entdecken wir eine Pinguin-Kolonie, auf der wir, von einem Fischerboot aus, Magellan- und Humboldt-Pinguine beobachten können. Auch Seeotter tummeln sich hier im Wasser und schwimmen tatsächlich mit gefalteten Brustflossen auf dem Rücken. Seehunde sehen wir erstmals von der Fähre aus, die uns wieder ans Festland bei Puerto Montt bringt.

Wir genießen noch einige Sommertage bei angenehmen Temperaturen im Seengebiet Chiles. Da wir den europäischen Massentourismus in Spanien oder Italien nicht kennen, betrachten wir mit höchstem Erstaunen die dichtbelegten Strände, die nachmittags mit Handtüchern bedeckt sind. Teenager in knappen Bikinis sind genauso vertreten wie Omas in dunklen Kostümen.

Erstaunlicherweise konzentrieren sich die Touristen nur an bestimmten Plätzen. Wenn man diese meidet oder am frühen Morgen besichtigt, ist man noch fast alleine. So fahren wir am Lago Llanquihue entlang, mit Blick auf den Vulkan Osorno, besuchen den Nationalpark Vincente Perez Rosales mit den Petrohue Wasserfällen, besichtigen das deutsche Kolonialmuseum in Frutillar, und lassen bei Puerto Octay einen Blick auf See, Bucht und den Osorno Vulkan auf uns wirken, der in seiner absoluten Schönheit einfach umwerfend ist.

Doch kein Paradies auf Erden ohne Plagegeister! Hier sind es die Riesenbremsen, die uns bedrohlich umschwirren, zwar nur selten gemein zustechen, aber uns schon so manche Wanderung vergällt haben.

Nach mehreren Fahrttagen erreichen wir Santiago, wo wir Herrn Plaut mit dem wohl überflüssigen Austausch eines Achsgelenks nochmals etwas verdienen lassen. Um weiter Richtung Norden zu gelangen, überqueren wir beim Skiort Portillo die Grenzkordillere und wechseln wieder auf die argentinische Andenseite hinüber.

Den Bericht unserer zweiten Reise durch Argentinien vom 2. bis 19.2.2000 findet ihr hier: Argentinien2



Zum vierten und letzten Mal in Chile (19.2. - 3.3.2000)

Wir überqueren die Grenze von Argentinien nach Chile am 4200 m hohen Jama Pass, fahren an Salzseen und Lagunen mit Flamingos vorbei und passieren die bolivianische Laguna Verde und den Vulkan Licancabur, dem wir bereits aus dem Flugzeug in den Krater schauten.

Nachdem wir den letzten Pass mit 4600 m überwinden, fahren wir steil hinunter ins Tal von San Pedro. Hier waren wir schon einmal vor 6 Monaten, doch wollen wir das Valle de la Luna nochmals bei Vollmond erleben. Heute sieht es aus wie mit Schnee gepudert. Das Salzgestein ist durch die Regenfälle im Januar ausgeblüht. Bei einer Wanderung am nächsten Morgen quetschen wir uns durch Tunnels und Schluchten, klettern auf Felsen und Anhöhen und lassen uns von den Salzsteinformationen in der märchenhaften Landschaft bezaubern.

Ein letztes mal geht es durch die wüsteste Wüste und auf der wilden Küstenstraße nach Iquique.

Hier heißt es abschiednehmen von unserem Amarillo, der für eineinhalb Jahre unser Heim war. Alles wird ausgepackt, ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was in so einen VW-Bus hineinpasst! Riedels Garage wird total voll. Und wohin mit dem ganzen Zeug? Vieles ist wertvoll, manches ist unentbehrlich, anderes uns einfach lieb geworden. So muss ich sortieren, packen und verschicken.

In der nervenaufreibenden Zeit versorgt uns Christa wie eine Mutter und steht uns mit Rat und Tat zur Seite. Besser hätten wir es nicht treffen können.

Viel Ärger gibt es mit den Weiterflugtickets. Fünfmal läßt uns die Tante von Americana Tours antanzen, viele Stunden sitzen wir auf ihren unbequemen Stühlen. Sie ist eindeutig überfordert, aber hier ist auch alles komplizierter als, sagen wir mal, in Europa. Allein um die Tickets mit Travellercheques oder Visacard bezahlen zu können, müssen wir 7 verschiedene Banken aufsuchen. Kurz und gut, in der Nacht vor dem Abflug erhalten wir den letzten Flugschein.

Guayaquil, Ecuador, 4.3.2000

Die Erlebnisse auf dem Flughafen von Iquique und Santiago sind so neu, dass ich sie vielleicht zu emotionsgeladen schildere. Doch unsere gute Meinung über die Chilenen wird am letzten Tag gründlich erschüttert. Von einem Zöllner wird unser gut verpacktes und stabilisiertes Paket aufgeschnitten und zweimal willkürlich mit dem Messer durchstochen (was hat er da wohl zerfetzt? Antwort: ein Keilkissen), bevor wir es plastifizieren lassen. Die zwei Kilo Plastikfolie, mit der der Packer es wieder sichern und in Form bringen will, kommen uns teuer zu stehen. Obwohl uns am Vortag das Lan Chile-Büro die Auskunft gab, 5 kg Übergepäck pro Person werde anstandslos akzeptiert, will die Check-in-Dame davon nichts wissen. "Cancelar el vuelo" ist ihre einzige Reaktion. Sie will unseren Flug stornieren und lässt uns und das Gepäck stehen. Alle Fluggäste sind schon im Flugzeug, unser Name wird dreimal aufgerufen. Nur ein Boss ist angeblich in der Lage, Geld für Übergepäck zu akzeptieren - 174 DM müssen wir für die 7 kg blechen. Noch drei Minuten vor dem Abflug haben sie es nicht geschafft, den Betrag von der Visakarte abzubuchen. Wie gut, dass meine Nerven in den letzten Tagen schon gründlich trainiert wurden! Hinter einem Angestellten her rennen wir an allen Kontrollen vorbei direkt zum Flugzeug, das tatsächlich auf uns gewartet hat.

Unser Gepäck ist bis Guayaquil durchgecheckt, was uns nur recht ist. Doch auf dem Flughafen in Santiago erfahren wir durch Zufall, dass das gar nicht möglich ist, da wir erst am nächsten Morgen weiterfliegen und Lan Chile das Gepäck über Nacht nicht bewacht. Wir sollen unsere 47 Kilo mit zum Hotel nehmen. Doch das Gepäck ist nicht mehr auffindbar, wahrscheinlich wurde es gar nicht mit unserer Maschine befördert. Haargenau müssen wir die 2 Rucksäcke, den Koffer und das Paket beschreiben. Richard geht mit zum höchsten Gepäckchef, der verspricht, sich "excepcionalmente" darum zu kümmern.

Trotz diesem Ärger sind wir gut in Guayaquil, Ecuador, angekommen, und auch das Gepäck kam auf dem Förderband angerattert.

Die Fortsetzung der Reise auf den Galapagos Inseln findet ihr hier: Galapagos

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